Herbstschwere

Schweigen, Stille, Dunkelheit –
nur das Rauschen müder Blätter,
die sich langsam lösen von den Zweigen.
Schaukelnd fallen sie der Nacht entgegen,
blüh’n noch einmal auf, in buntem Zauber,
legen eine farbenfrohe Decke auf die Wege,
majestätisch liegt die Welt im Sterben…
und der Tod, er schreitet still darüber,
um den Lebenskreislauf abzuschließen.
 
Herbstgedanken – Sonntagsstille !
Und die Uhr, sie tickt und tickt,
streut monoton Sekunden in das Grau,
das ruhig dahin fließt, wie ein träger Fluss.
Ich treibe haltlos, sinke in das Nirgends;
bin losgelassen, treibe ohne dich.
Ertrinke in den Fluten der Gedanken,
die mich ziehen, immer tiefer, und ich falle
wie die Blätter von den Bäumen…
und der Tod, er schreitet still darüber.

Herbstwelt

Albert Anker 1831-1910

Noch wiegt der Baum sein Blattgewand,
das herbstlich bunte, schöne.
Sein grünes Kleid ist braungebrannt –
in hell und dunkle Töne.
 
Der Regen schwert die müde Pracht,
lässt sie zu Boden gleiten.
Der Sturmwind treibt die fahle Fracht
hinab…hinauf, beizeiten.
 
Die Straßen sind des Laubes voll –
es raschelt auf den Wegen.
Ein Jeder bringt der Mühe Soll
dem Erntedank entgegen.
 
Die Sonne scheint verhalten, mild;
gar lang die Regenzeiten.
Die triste Dunkelheit verhüllt
das In-den-Winter-gleiten.
 
Die Lebensgeister sind verstummt,
nun herrscht ein dunkles Treiben.
Die Erde ruht. Die Herbstwelt summt
besinnlich, leise Weisen.

Herbstzeit

Die letzten Blätter fallen von den Zweigen
und auf den Straßen liegt das nasse Laub.
Tief sich die Äste der Platanen neigen
und Regen mischt sich mit dem Straßenstaub.
 
Von Ferne naht die Nacht mit dunklen Schatten
und um die Häuserecke pfeift der Wind.
Ein braunes Blatt tanzt auf den Gehwegplatten,
die feuchte Luft macht Fensterscheiben blind.
 
Spinnweben glänzen nass in letzten Sonnenstrahlen;
ein Regenbogen spannt sich über Stadt und Land.
Mit voll bepackten Zweigen die Kastanien prahlen –
stehn majestätisch dort am Straßenrand.
 
Hör’ fern vom Kirchturm her der Abendglocke Ton.
Ihr Klang ist anders als an Sommertagen.
Die graue Stille ist des Herbstes Handwerkslohn –
es wird bald Winter, will das Läuten sagen.
 
Und oft in dieser finstren Totensonntags-Zeit,
lässt sich ein Lichtstrahl durch die kahlen Äste gleiten.
So wirst du Mensch – traf dich auch wehes Leid –
zu neuer Hoffnung über Gräber schreiten!
 

Herbstlich

Die Blätter hüpfen auf dem Asphalt.
Sie tanzen im Wind ihren Reigen.
Am Himmel, wo sich ein Wirbel ballt,
will sich die Sonne nicht zeigen.
 
Der Sturm heult um die Häuser. Geschwind
bringt er uns den himmlischen Segen.
Die Vögel verstummen. Im Luftschacht ringt
ein einsames Blatt mit dem Regen.
 
Die Welt ist betrübt. An der Häuserwand
malen Schatten Bild-Serpentinen.
Die Menschen hetzen mit Schirm in der Hand
und verharren mit düsteren Mienen.
 
In Jacken verpackt, mit Pullis und Schal,
träumen sie sich der Sonne entgegen.
Die Nase läuft mit. Die triefende Qual
fällt nicht so auf bei dem Regen.
 
Die Gedanken sind grau wie der Wolkenzug.
Da hilft nur Tee mit Zitrone.
Es taumelt hernieder manch Blatt im Flug.
Geleert sind die meisten Balkone.
 
Die Gärten haben sich lila geschmückt,
mit Astern, Heide und Beeren.
Das Erntedankfest ist näher gerückt –
nun will es herbstlich werden.

Herbstwinde

Ich stehe am Fenster und schau in die Ferne,
seh’ durch die beschlagenen Scheiben hinaus.
Betrachte das herbstliche Treiben so gerne;
der Wind fegt mit heftigem Brausen ums Haus.
 
Bald werden sie kahl sein, die noch vollen Zweige.
Die Wiese, sie füllt sich allmählich mit Laub.
Es kommen die Stürme – das Jahr geht zur Neige.
Der Herbst bringt die Kälte und Dunkelheit auch.
 
Die Ernte liegt sicher in Scheunen und Hallen,
der Dank ist gesprochen, der Segen erteilt.
Wenn erst die schweren Frühnebel wallen,
dann macht sich das Jahr zum Sterben bereit.
 
Ich lausche dem Wind, er pfeift durch die Schächte,
treibt Regen und Blattwerk, streut bunt seine Spur.
Nicht enden wollen die unruhigen Nächte,
die Wärme der Sonne verlässt die Natur.

Winter will es werden

Dunkel wird’s schon frühe,
Sonne dringt mit Mühe,
durch den grauen Dunst.
 
Nebel wallen wieder,
Kälte lähmt die Glieder.
Schleierhafte Kunst!
 
Kalt ist es geworden,
und vom hohen Norden
ziehn die Winde ein.
 
Tanzen durch die Straßen,
singen in den Gassen,
säubern Feld und Stein.
 
Fegen durch die Schächte,
einsam sind die Nächte;
Seelen wachen müd.
 
Winter will es werden,
und der Herbst auf Erden,
singt sein Abschiedslied.

Nebel

Überzieht das Land mit feuchten Schleiern,
verbirgt den Weg, der vor uns liegt.
Silhouetten lassen die Ferne erahnen;
Scherenschnitt-Bäume,
gnädiger Weichzeichner der Natur,
versteckst Arges unter grauen Tüchern,
 
verlangsamst unsere sicheren Schritte,
schaffst unscharfe Blicke
durch verminderte Transparenz;
Unwegsamkeit des Lebens
im gefilterten Licht;
Erinnerungen an den Herbst.