Offene Türen

Der Erdball groß und wunderbar,
ein Spielplatz für die Engel gar.
Die Himmel liegen weit.
 
Vom All hinab, der Cherub Tanz.
Die Welt hüllt sich in Lichterglanz,
und stille steht die Zeit.
 
In jedem Herzen brennt ein Licht,
doch unsre Augen seh’n es nicht.
Die Liebe leuchtet hell.
 
Öffne dem Nächsten deine Tür,
dann spürst Du: Jesus öffnet Dir
die seine, weit und schnell.
 

Dunkle Jahre

Edmund Blair Leighton 1853-1922 – The Unknown Land

Der Tränen hab’ ich viel vergossen,
in stetem Leid ertrank mein Herz
und war’n die Augen fest geschlossen,
empfand ich tiefen Seelenschmerz.
 
Ich irrte lange durch die Zeiten,
fand keinen Menschen, der mich trug,
ließ mich von Traurigkeit begleiten,
nur Ablehnung fand ich genug.
 
So gingen hin die alten Tage,
mir folgte nur die Einsamkeit,
nichts änderte die Lebenslage,
die Liebe blieb so fern, so weit.
 
Mein Herz, das suchte stets den Wandel,
doch Menschen brachten nicht das Glück
und durch das oftmals falsche Handeln,
blieb nur die Bitterkeit zurück.
 
Nach langen dunkeltrüben Jahren
sind’s neue Wege die ich gehe,
ich darf mit Dankbarkeit erfahren,
die liebevolle Gottesnähe.

Verhängnisvolle Worte

William Adolphe Bouguereau 1825-1905 – Frühlingsmelodie

Ersonnen sind der Worte viele,
besinnliche Gedankenspiele,
 
die ganze Blätter-Wälder füllen,
erdacht, geschrieben, ganz im Stillen;
 
Anziehungskraft des fremden Flairs,
Unendlichkeit des Schriftenmeeres,
 
lässt uns in ferne Welten tauchen,
kann Märchen Wirklichkeit einhauchen;
 
das, was sonst niemand anders schafft,
vollbringt des Wortes Zauberkraft.
 
Schenkt uns ein Wort der Liebe Glück,
so nimmt ein andres dies zurück;
 
mit ein paar hingesagten Sätzen,
kann man die Seele tief verletzen
 
und oft noch leidet man alsdann
darunter gar ein Leben lang.
 
Wählt eure Worte mit Bedacht
und sprecht nicht aus, was Leiden schafft,
 
kann man in wunden Augen lesen,
dass Schweigen besser wär’ gewesen.

Orakel

Statue Melatenfriedhof, Köln
Foto: Gisela Seidel


Ein Teil des ew’gen Geistes Licht zu sein
und hier im Kreise der gelehrten, alten Runde,
mit Worten dringen durch des Schleiers Schein,
zu stärken euch in tiefstem Seelengrunde,
 
dies sei zu eurer Freude unser tägliches Bestreben,
fragt nicht die Wissenschaft, wenn ihr nach Wahrheit sucht,
wir sind es, die euch hier die Antwort geben,
liegt doch im Jenseits des Orakels Lösungsspruch.
 
Es gilt ein Zauberwort, das Nächstenliebe heißt,
für alle Zeit im Herzen dieser Welt zu integrieren,
nur wer die Existenz des Nächsten preist,
wird Gottes Sinn in den Alltäglichkeiten spüren.
 
Wer alles Leben ehrt, ehrt auch die Göttlichkeit,
drum seid bestrebt den rechten Weg zu gehen,
entfernt euch von der Oberflächlichkeit,
mildert mit Liebe euer Zeitgeschehen.
 
Schützt die Natur, die Schatzkammern der Erde,
begegnet voll Respekt der Schöpfung allen Lebens,
verteilt gerecht, dass endlich Frieden werde;
des Nächsten Last zu mildern, das sei euer Streben.

Versteinerte Herzen

Faithful unto death
Herbert Gustave Schmalz 1856-1935

So hart wie Stein wird mancher Menschen Herz,
kennt weder Mitgefühl noch Gnade,
gönnt anderen nur Spott und Seelenschmerz,
lockt erst die Gier nach Macht,
wie süßes Apfelfleisch die Made.
 
Das Leiden anderer – zur Schau gestelltes Quälen,
war früher Freude der Cäsaren Tribunal,
als Schauplatz wird man heute andre Orte wählen,
wenn schreiend erst das Volk die Daumen senkt,
dann rollen Köpfe, so wie damals, ohne Zahl.