Gnadengabe

Dein Gesicht, wie es strahlt!
Einzig das Anschauen malt bunte Bilder
in mein graues Denken.
Wie deine Sonne von innen dich malt!
Sie weiß dir göttlichen Schimmer
zu schenken.
 
Wie dein Herz mich erhellt!
Deine Blicke halten ganz fest, sie zügeln
den unruhigen Geist.
Es scheint nicht von dieser Welt,
wenn das Gefühl vom Schweben
mich vom Hier und Jetzt entreißt.
 
Wie sehr du mich erfüllst!
Worte, sie führen zusammen; verbinden
Geist und Körper im Fluss.
Charismatisch ist das Empfinden!
Die Anziehung, wie ein
nicht endendes Muss.

Siegel der Poesie

William Adolphe Bouguereau 1825-1905

Ich fühle euch, ihr Seelen der Vergangenheit,
ihr schreibt aus mir, astral sind wir verbunden;
 
habt abgelebt vergang’ne Erdenzeit,
wie die Gefühle längst vergess’ner Stunden.
 
Ihr füllt mit eurem Geist den meinen,
mit fremden Worten, alt und nie gekannt.
 
Ihr seid das Siegel, das von unbekannten Orten
die Poesie mir in mein Herz gebrannt.
 
Werd’ ich euch einmal gegenübersteh’n,
versenke ich in Demut meinen Blick.
 
Ich möcht’ euch danken,
für die tiefe Liebe, die mein Herz geseh’n,
ein’ Teil davon geb’ ich an euch zurück.

Worte

William Adolphe Bouguereau 1825-1905

Ich grüße Dich von ferne, edler Geist!
Es fehlt mir Deiner goldnen Worte Klang.
Du bist es, der mir groß den Himmel preist,
erschaffst aus kleinen Worten Lobgesang.
 
Ich lausche still vor Glück der Poesie,
sie klingt so filigran und Gold durchwoben,
dringt tief ins Herz, wie eine Liebesmelodie,
und meine Seele weiß, Du wartest oben.
 
Begleitest mich durch meine Lebensstunden,
so wie ein blumig’ Band, gekränzt im Haar.
Wir sind in der Unendlichkeit verbunden,
füllst meine tausend Leben immerdar.
 
Ich grüße Dich von ferne,  edler Geist
und werde morgen wieder an Dich denken,
wenn Du im Traum in meine Seele reist,
vereint uns Gott an allen Weltenenden.
 

Das O

Ein O war müd’,
denn seine Mitte
fühlte, eingezwängt vom Außen,
das bündig sich zum Kreise schließt,
nur Leere.
 
Es war betrübt
und hoffte sehr,
dass jeder Leser draußen
sein eingeengtes Innen
sehen werde.
 
Kein kleiner Strich
erlöste es aus der
nicht enden wollenden Routine.
Das O blieb was es war: ein Kreis,
gebannt auf trister Endlosschiene.
 
Dem O war’s hohl,
drum suchte es im Außen Inhaltsfüller.
Es nahm ein zweites O,
das ihm gelegen kam
und wurde stiller.
 
Zur OO
vereint
genießen seit der Zeit die O 
Berührungspunkte.
Unendliche Verbundenheit zu zweit
macht ewig kreisend Runde.
 

Lebensplan

William Adolphe Bouguereau 1825-1905

Wenn du mich rufst, dann komme ich
durch finst’re Nacht zu dir.
 
Wenn du mich suchst, dann brennt ein Licht
ganz hell an meiner Tür.
 
Du findest mich im Überall,
siehst mich in deinen Träumen;
 
bin schneller bei dir als der Schall,
wie Wind in allen Bäumen.
 
Den Plan für deine weit’ren Wege,
halt ich in meiner Hand;
 
du wirst sie sicher finden,
darauf hast du mein Pfand!
 
Ließ ich doch mein Vertrauen
und meine Liebe dir,
 
so lass’ mich durch dich schauen,
des Lebens Wunder hier.
 
Dann fließen alle Fragen
und alle Zweifel fort,
 
nie soll dein Herz verzagen,
an einem falschen Wort.

An Dich

Aglaida and Boniface – Alexandre Cabanel

Mein Herz, es ruft nach dir ganz in der Stille,
bist mir mein Alles und mein fernes Nichts.
 
Du hinter Wolken liegende Idylle,
verborgene Unendlichkeit des Lichts.
 
Nur in Gedanken kann ich dich erfassen,
in Träumen dir die Hände reichen;
 
will meinen Blick nicht von dir lassen,
von meinem Weg will ich nicht weichen.
 
Wird sich der letzte Schleier heben
und  Dimensionen sich verbinden,
 
werd’ ich durch off’ne Himmel eilend,
den Weg zu dir nach Hause finden.

Himmlische Berührung

Sulamith Wülfing 1901-1989

Und sanft berühr’ ich dich in Träumereien,
verspür’ die Nähe deiner sich’ren Führung,
darf mich an der Unendlichkeit der Liebe freuen,
genieße die Sekunden himmlischer Berührung.

In meinen Taggedanken bist du mein Begleiter,
verbunden stets durch deiner Worte Kraft,
bist mir im Hintergrund mein stiller Leiter,
der meines Daseins Fülle Sinn verschafft.

So wie das Liebesglück gepaart mit Tränen,
folgt der Enttäuschung bange Hoffnung dann;
und der Erfüllung folgt alsdann das Sehnen,
so bindet uns ein flüchtig’ Leben ewig lang.

Berührungslos

My sweet rose – Waterhouse

Fühle berührungslose Nähe,
distanzlose Gedanken,
die, würdest du sie sehen,
wie dornenlose Rosen,
duftend um dich ranken.
Bruchteile von Sekunden,
mit einem Lächeln lieben –
so seelentief verbunden;
als stünd’s in einem heil’gen Buch geschrieben,
mit tausend Zauberworten,
die, wenn sie ausgesprochen an geheimen Orten,
die Herzensflammen bis in Ewigkeiten brennen ließen,
und dort verweilend,
würden sie den Jüngsten Tag begrüßen.
In den Unendlichkeiten
würden sie die neuen Morgen kränzen,
als kleine Sterne
funkelnd an den fernen Himmeln glänzen,
und sich, wie unsichtbarer Liebesregen,
auf die Geschöpfe dieser Erde legen.
Ahnst du mein unsichtbares Wangenstreicheln;
fühlst du die fessellosen Bande?
Möchte’ gerne deiner Seele schmeicheln,
bin ich doch deinen Weg zu glätten außerstande.

An den, der leis mich rief


Schweben im Meer der
Lautlosigkeit.
Der Lärm der Welt verklingt,
und um mich her versinkt,
ganz schwerelos, die Zeit.

Sie trägt mich himmelan
und wirbelt mich im Tanz,
umhüllt und schließt mich ein
mit lichtem Strahlenglanz.

Erfüllt mich liebevoll
mit engelgleichem Traum;
glänzt wie ein kleines Licht
am großen Lichterbaum.

So frei, voll Harmonie,
in Quintenklangmusik,
geb’ ich mein Innen hin,
an den der leis’ mich rief.

Geistesblitze

Aus „Werthers Leiden“ von Johann Wolfgang von Goethe

Was soll ich schreiben,
frag’ ich mich so oft,
wenn ich das leere, weiße Blatt betrachte,
und kommen die Gedanken wie erhofft,
dann sind sie Ursprung dessen,
der sie brachte.

Sind wie ein Blitz in meinem Kopf,
spontan und voller Willkür –
fremde Worte,
als packte mich Vergangenes
beim Schopf,
vermittelt vom geheimen Musen-Orte.

Es füllen sich die Seiten, wie die Stunden,
mit Sätzen;
formen sich zu Reimen aufs Papier,
und in zig Tausenden von flüchtigen Sekunden,
verbinde ich mich still im Vers mit Dir.