Ich kenn’ die Stadt, in der die Mauern flüstern; hier wuchs ich auf, die Straßen ungeteert. Koksrauch ließ manche Häuserfront verdüstern, wie ein zerschlissenes Kleid, von Ärmlichkeit beschwert.
Und jede Pfütze glitzerte im Regen - wir Kinder stapften fröhlich durch die Lachen, auf bordsteinlosen, dunklen Wegen, wo Regenwürmer durch die Erde brachen.
Die alten Straßen trugen meine Schritte, aus jedem Haus sprach die Vergangenheit; verhallt ist jeder meiner Kindheitstritte, mir eilt voran der Gang der Lebenszeit.
Das Alte ist längst fort und abgehandelt; das Schicksal schlägt im Buch die Seite um. Was hat der Mensch belassen, was gewandelt? Die Münder meiner Ahnen bleiben stumm!
Als ihre Herzen pochten und die Quellen flossen, aus denen sich des Standpunkts Klarheit nährt, wie zuversichtlich wirkten sie entschlossen auf falschen Wegen, die das Glück verwehrt.
Das Leben ist des Lichtes reiner Segen, bewahre ihn, der selbst dich ‚reif‘ gemacht. Des Vaters Glanz liegt wie ein Blühn auf Wegen, senk demutsvoll davor dein Haupt herab.
Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht
bleibt ja doch nur eins: die Zeit.
Pünktlich holt sie aus der Truhe
falschen Bart und goldnen Kram.
Pünktlich sperrt sie in die Truhe
Sorgenkleid und falsche Scham.
In Brokat und seidnen Resten,
eine Maske vorm Gesicht,
kommt sie dann zu unsren Festen.
Wir erkennen sie nur nicht.
Bei Trompeten und Gitarren
drehn wir uns im Labyrinth
und sind aufgeputzte Narren
um zu scheinen, was wir sind.
Unsre Orden sind Attrappe.
Bunter Schnee ist aus Papier.
Unsre Nasen sind aus Pappe.
Und aus welchem Stoff sind wir?
Bleich, als sähe er Gespenster,
mustert uns Prinz Karneval.
Aschermittwoch starrt durchs Fenster.
Und die Zeit verläßt den Saal.
Pünktlich legt sie in die Truhe
das Vorüber und Vorbei.
Pünktlich holt sie aus der Truhe
Sorgenkleid und Einerlei.
Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht,
bleibt uns doch nur eins: die Zeit.
Tag, du senkst dein Licht ins Nebelgrau der Ferne, wo zum Horizont die rosa Wolken ziehen, die so hingehaucht, wie Rosen kurz erblühen, und dann nachtverdunkelt untergehen mit der Sicht auf erste Sterne.
Mondschein, der durchs Himmelgrau des Abends bricht, hat sich zauberhaft hinzugesellt; magisch formt er seine eigene Welt. Erdverbunden schwindet alles, Licht an Licht. Welt, sie schläft. Wer schläft, der sündigt nicht!
Lichtleerer Raum, du schreist nach hellen Zeiten, wo in der Frühlingsluft der Tageslärm versinkt, und sich in dunklen Ackerbreiten das Leben regt, das neue Nahrung bringt.
Gott ist nicht fern, nur zugedeckt mit Dingen, wie Sinnestaumel oder Wissenschaft; Diesseitskultur ist nur ein flüchtig’ Ringen, mit Kälte, die erstarrt, nichts Schönes schafft.
Die Sehnsucht danach wird uns Wege weisen, zur Harmonie, zum göttlich milden Tun. Es wird die Welt aus Not und Abgrund reißen. Wer neue Kräfte sammelt, kennt kein Ruhen.
Hörst du es schwingen, wie ein Fließen, sich unaufhörlich in den Raum ergießen? Vernimmst du auch der Schwingung sanftes Hallen, Töne in Dur mit kurzen Intervallen? Ein glockenklarer Klang breitet sich aus und Seelenfrieden fließt durchs ganze Haus. Vermagst du auch das heil’ge Singen hören, so, wie von wunderbaren Engelchören? Dann schließe deine Augen fein und atme tief die Liebe in dich ein. Fühlst mit dem Himmel dich verbunden, in gottesnahen Kuschelstunden.
Fern dieser Welt, wo Frieden herrscht und Glück, wo Liebe frei ist, Macht und Geld nur ein vergang’ner Augenblick.
Wo Menschsein mehr ist als Erhalt der Rasse, die bunte Vielfalt: ein Gesetz von Klasse. Die Neugier auf das Anderssein, wird zur Bereicherung gedeih’n.
Das Himmelslicht durch schwere Erdenluft so trübe, verdeckt vom Geist der Eigenliebe, du lang ersehnter, milder Wind, der fortweht dunklen Geistes Kind,
den Himmelsfrieden seh’ ich schleierhaft dich breiten und legen über alle Schattenseiten.
Oh, Sonnenschein, schenk bald das warme Mütterliche dieser Erde, und hüll sie ein, dass endlich Frieden werde!
Wenn alle schlafen, sitz ich oft allein, und willig leihe ich mein Ohr der Nacht. Weisheiten rinnen da in mich hinein, die ich nicht hören kann, wenn alles wacht.
Es ist, als zeigten mir die Dinge so am grauen Tag nur ihre Oberfläche. Nachts, wenn nicht mehr die vielen Blicke roh auf ihnen ruhn, ihr Wesen zu mir spräche.
Wenn seltsam Lust und Schmerz in eins verklingt, dunkel das große Lied des Weltalls rauscht, mein Herz mit seiner wilden Gier versinkt, nur meine unbewegte Seele lauscht.
Ich höre die geheimen Räder gehen: Wie sie sich drehen, muss sich alles drehen.
Des reinen Geistes Sinn wird offenbar, webt aus Gedanken edler Verse Reim,
Vokabular, wie gold’nes Engelshaar, verflochten mit der tiefen Liebe Keim;
Buchstabenperlen, leerer Seiten Zier, sie reihen sich Wort an Wort mit Poesie,
dringen tief in dein Sein, verweilen hier, wie eine Seelensinfonie.
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