Der Himmel breitet seine Bläue an Sonnentagen über Stock und Stein. Die Welt liegt hell, dass sich ein Jeder freue, und jedes Korn wiegt sich zur Reife ein.
Geöffnet sind die weiten Sommertore, und alles, was sich regt nach Licht, erblüht im rosa Schein, wie Blütenflore, dass sie verblühn, erschreckt sie nicht.
Willst du die Gräser wachsen hören? – Es treibt hinauf, das immer gleiche Lied! Als wollten sie beschwingt den Tag beschwören, der Schatten nimmt und pure Liebe gibt.
Du löst die Knoten, entwirrst das Verflechten, vollziehst das Naturgesetz zum stets Gerechten, malst Bilder aus farbigen Schicksalsfäden, die der Menschheit mit auf den Weg gegeben.
Solange wir träumen, sind wir die Geführten, als Körper und Sinne die Freiheit spürten; doch in all unseren tiefsten Daseinsträumen entwachsen wir langsam den Erdenräumen. Wir halten die Fäden in eigenen Händen, die schicksalhaft sich zum Richtigen wenden.
Schau näher hin, sind es wirklich Deine? Hinter dem, was du tust, steht doch stets der All-Eine!
Alle menschlichen Ideen, wie Tau entströmt, aus fernen Himmeln, Talente – hohe Bäume auf Alleen, Gott ließ sie das Unmögliche gelingen.
Die Urkraft, die ihr Werk der Erde schickt, Wunschbilder, die ins Seelenlicht getaucht, ein Denken bilden, das uns hilft und glückt, Gedanken, die der Mensch zum Leben braucht.
Es sind die hohen Kräfte, die uns dienen, sie streuen Gottvertrauen auf die Erde, und was zuerst im Seelenlicht erschienen, das baut der Mensch, es ist dann sein „Es werde!“
Théodore Chassériau (1819-1856)- An Angel Praying in the Garden of Olives
In der Mondnacht, in der Frühlingsmondnacht gehen Engel um auf leisen Sohlen; blonde Engel, innig und verstohlen küssen Sie die schönsten Menschenblumen.
Tausendschönchen, allerliebste Blume, weiß es wohl, woher der Schimmer stammet, der dir heut das Antlitz überflammet: bist noch in den Traum der Nacht verloren.
Denkst der Engel, die durchs kleine Fenster sich auf Mondesstrahlen zu dir schwangen, leise dir zu küssen Mund und Wangen in der Mondnacht, in der Frühlingsmondnacht.
In Träumen blicke ich ins Weite, geh still den Weg, der unser war; Nachdenklichkeit geht mir zur Seite, macht mir Vergangenes offenbar.
Zeugt jeder Stein und Baum des Weges von deiner Gegenwart allhier, so wird mein Gang – ein Traumerlebnis, ein Weg, der tiefen Seufzer mir.
Nur Trauer fühl’ ich, übermächtig, in mir da toben Gram und Pein. Mein Gang ist schwer, mein Schritt bedächtig, denn heut geh‘ ich den Weg allein.
Der Wind, er haucht mir deinen Namen: „Mein Liebes“ schwebt mir sanft durchs Licht. Doch, ach, der Spott kennt kein Erbarmen, wenn er mit deiner Stimme spricht.
Treibt voller Hohn mit diesen Worten nun Wehmut in den Herzensgrund; fühl’ ich an den vertrauten Orten, noch deinen Kuss auf meinem Mund.
Dort steht verwaist die Bank. Und wieder füllt sich mit Traurigkeit mein Herz, und meine tränenschweren Lider, verschließen sich in wehem Schmerz.
Wo bist du, dem ich so vertraut, der mich so sanft und zart umfing? Nichts blieb mir! Wie der Morgen graut, so graut in mir mein Lebenssinn.
Warst meines Daseins reichste Fülle, in Liebe hülltest du mich ein. Trag deren inhaltslose Hülle, in eine leere Zeit hinein.
Die Luft um uns hängt voller Geigen, der leise Wind ist ganz erfüllt von Glücksgefühl. Ein Strahlenreigen umspielt dein liebes, trautes Bild.
Der Zweige sanftes Auf und Nieder klingt rhythmisch, wie ein Flügelschlag, es schwingt in unsren Herzen wieder, der golddurchwirkte, heitre Tag.
Wie Flüstern hebt das Blätterrauschen von Baum zu Baum sich, wie ein Chor. Es singt und klingt – wir stehn und lauschen und Seligkeit durchströmt das Ohr.
Wir fühlen Harmonie und Frieden, der unsre Seelen sanft erfasst, vereint mit der Natur, getrieben von Liebe, fern von aller Last.
Diashow „Dorflandschaft“ oder „Das verschwindende Russland“ nach Gemälden großer russischer Maler. Musik: Balalaika-Solo – Alexei Archipowski (Cinderella).
Jeden Menschen von innen her verstehen, in dessen eigener Muttersprache und Kultur. Ihn nicht nur als Besatzungsmacht zu sehen, die lieblos ist und dort zum Töten nur.
Dient der, der tötet, nicht dem höheren Geheiß? Dient er der Macht und mordet auf Diktat, weil er ums Leben kämpft? Was ist der Preis? Er leidet für Regierung und Verrat!
Als man ihn lehrte, dass der Feind zu töten sei, weil die Armee, in der er diente, ‚Gute‘ sind, da wählte er die eigene Tauglichkeit, um frei die Waffen abzufeuern, hörig, wie ein Kind.
Wer einmal in den Krieg zog, der bleibt dort, denn niemals kehrt er ganz nach Haus' zurück. Er käme fremd an seinen Heimatort, und fände dort nie mehr sein Lebensglück.
Aus unerfüllter Liebe und aus Schmerz in innerer Zerrissenheit und Leid, zerfließt, kaum aufgeblüht das wehe Herz – singt wie die Nachtigall in dunkler Zeit.
Die weite Landschaft russischer Kultur, die melancholisch und gefühlvoll träumt, steht für die Sehnsucht selbst, zeigt ihre Spur von Größe, die die Steppe säumt.
Nun schmückt sich zu dem Fest der Pfingsten mit frischen Blumen jedes Haus, selbst in den Hütten der Geringsten sieht’s heute feiertäglich aus.
Die allerärmsten Siebensachen verklärt ein Hauch von Poesie, auf frischen Lippen liegt ein Lachen und eine heitre Melodie.
Da draußen blumenreiche Auen und Lust und Leben weit und breit und rings, wohin die Blicke schauen, nur Glück und Daseinsfreudigkeit.
Und unter all dem Jauchzen, Klingen, inmitten froher Festtagslust, da will’s auch mich zum Liede zwingen, als Dankgebet aus voller Brust.
Marie Paschke-Diergarten (1870-Sterbedatum nicht bekannt)
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