Recht und Unrecht

Der Zauberlehrling – Johann Baptist Wilhelm Adolf Sonderland (1805-1878)
Wohlbehütet sind die Satten,
Ehrsamen und nie Versuchten,
die von jeher alles hatten,
tugendhaft den Wohlstand schufen.

Die an vollen Tischen tafelnd
in den warmen Stuben sitzen
und bei einem Gläschen Wein
über all die Armen witzeln.

Über die Verzweiflungstaten
mancher Frauen, die in Not,
sich für Geld mit Männern trafen,
für die Miete oder Brot.

Sie versteh’n nicht, wie es geht,
dass jemand, der fleißig ist,
plötzlich auf der Straße steht,
wo man ihn als Mensch vergisst.

Dem nichts bleibt auf dieser Welt,
als der Schmutz, in dem er liegt,
bis der Tod sich zugesellt,
durch die Tritte, die er kriegt.

Über Hungrige, die stehlen,
schimpfen Satte, sprechen Recht.
Wenn sich leere Mägen quälen,
ist ein Urteil dann nicht schlecht?

Auf die Not der Ausgestoßenen,
die in vollen Läden stehen;
auf die vielen Heimatlosen,
die nur unseren Luxus sehen,

schau’n auf Fremdgruppen verachtend
die Gesetzeshüter nieder,
die mit wohlgenährten Bäuchen,
gut behütet, satt und bieder,

sie doch einst ins Land gelassen,
um den Wohlstand aufzubauen,
für sie in Beschlüsse fasste,
deren Schutz sie noch vertrauen.

Nun ruft man den „Hexenmeister“
denn „der Besen steht nicht still“.
Will die Rückkehr fremder Geister,
die man hier nicht haben will.

Am Niederrhein

Foto: Pieter Delicaat – Wikipedia

An der Niers am frühen Morgen,
schwebt ein Nebel, sanft bewegt,
und der Mond hält das Gebilde
fest am Boden, bis er geht.

An den Ufern strecken Bäume,
das Geäst zum Himmelszelt,
spinnen veilchenblaue Träume;
Schlaf entweicht der Vogelwelt.

Der Jasmin beginnt zu blühen,
glänzt im feuchten Morgentau.
Duft’ges Weiß liegt auf dem Grünen,
kontrastiert zum Himmelblau.

Weiden mit bizarren Ästen
winken heimatlich gesinnt,
bieten farbenfrohen Gästen,
Lebensraum und Neubeginn.

Nimmermüde Dotterblumen,
träumen schwefelgelben Traum,
lauschen selig den Gesängen,
aus dem hohen Lindenbaum.

Foto: Gisela Seidel

Grün erneuert sich das Leben,
Farbenrausch am Niederrhein,
Butterblumen an den Wegen,
Jedermann will draußen sein.

Senfsaat hat in manche Ecke
gelbe Blüten ausgestreut,
überdeckt die Erdendecke.
Seht nur, wie ihr Anblick freut!

Dunkles Erdreich atmet Schwere,
Schollen sind zur Saat bereit,
damit im Frühjahr wiederkehre,
was im Herbst zur Ernte reift.

Traumbild

Quelle: Pinterest
Manchmal sind Träume wie ein Fluss,
voll von Gedanken, die wie Wasser fließen,
als würd‘ erstarrte Zeit ein Bild aufschließen,
weil manch‘ Verlebtes weiterströmen muss.

Dann pochen spürbar Herz und Seele
verbinden sich mit ihm, in jedem Schlag.
Man steht davor, an angezeigter Stelle,
und kennt genau noch Haus und Tag.

Das Bild berührte, weckte Emotionen.
Es steckt ein Trauma, unbewusst, darin.
Obwohl schon lange Fremde darin wohnen,
war’s nur verdrängt und unbewusst der Sinn.

Das Elternhaus erscheint mir oft im Traum;
mich trägt vor dessen Bild die Illusion.
Wahrhaftig seh‘ ich mich vor leerem Raum.
„Loslassen!“, klingt es in mir, wie ein Hohn.

Der Wellengang

Der Wellengang - 
ein sanftes Sinken, Heben in Bild und Sein.
Das Meer von innen her, ein grollend tiefes Beben,
im gänzlich übervollen Wimmeln, nie allein.

Oh, fremde Welt, wo Wog‘ an Woge schlägt,
die Tiefe unergründlich ist
und lichtlos trotzdem Leben in sich trägt,
das feurig glühend, dicht an dicht,
den Ursprung zeigt, der uns geprägt
und der das Licht in Schatten bricht.

Die Dimension des Wassers voller Leben
mit winzigen Gebinden der Natur
und riesenhaften Körpern – alle schweben.

So, wie ein Himmel schwergewicht’ger Dinge,
an dem allein die Last des Lebens hängt,
hin zu fast wasserlosem Sand-Gemenge,
aus dem fast aus dem Nichts das Leben drängt.

Die Zeit zeigt nur des Menschen enge Sicht,
die Unergründlichkeit des Geistes zeigt sie nicht.

Wie schön blüht uns der Maien

Wie schön blüht uns der Maien,
der Sommer fährt dahin.
Mir ist ein schön Jungfräulein
gefallen in meinen Sinn.
Bei ihr da wär mir wohl,
wenn ich nur an sie denke;
mein Herz ist freudenvoll.

Bei ihr, da wär ich gerne,
bei ihr, da wär mir‘s wohl.
Sie ist mein Augensterne,
strahlt mir ins Herz so voll.
Sie hat ein roten Mund,
sollt ich sie darauf küssen,
mein Herz würd mir gesund.

Wollt Gott, ich fänd im Garten,
drei Rosen auf einem Zweig,
ich wollte auf sie warten,
ein Zeichen wär mir´s gleich.
Das Morgenrot ist weit,
es streut schon seine Rosen.
Ade, mein schöne Maid!

Liebeslied aus dem 16./17. Jahrhundert. Text nach einem Gedicht von Georg Forster (1510-1568). Neu vertont von der deutschen Gruppe „Zupfgeigenhansel“ in den 1980er Jahren.

Verlorene Träume

Fahl wirft der Vollmond Schatten in die Zimmer.
Groß steht er, Stern umringt, in stiller Wacht.
Hat mich geweckt durch seinen Zauberschimmer.
Nun lieg’ ich lang schon, lausche in die Nacht.

Die Grillen geigen monotone Partituren.
Das Blattgewand, es rauscht im nahen Baumgeäst.
Ein Schlag fährt durch die müden Weltenuhren;
die Mitternacht hält magisch alle Zeiger fest.

Mein Engel singt mir Nachtwindmelodien.
Gott streut ein lichtes Ahnen in die Zeit.
Die Wesen aus den Schattenreichen fliehen
vorbei wie trüber Nebelhauch … so weit.

Der Schlaf, der gnädige, ist mitgegangen.
Gedanken treiben wie das Wasser an den Strand.
Sie kommen und sie gehen … traumverhangen
zieh’ ich mit ihnen ins verklärte Niemandsland.

Dort liegt mein Tränensee und auf dem Grunde
verlorene Träume, dicht an dicht, wie Stein an Stein.
Ich treib’ hinab, versink in sonnenferner Stunde,
spinn’ neue Träume, losgelöst vom Sein.

Tanz in den Mai

KI generiert von Gemini
Alles schwingt und schwebt und fügt sich,
wie ein Wort aus liebem Mund;
federleicht im Zauber hebt sich,
was entzweit war, zum Verbund.

Gleicht der Vögel Morgensingen,
nimmt die Falten aus der Welt,
glättet sie mit hellem Klingen,
als wär’ sie wie neu erstellt.

In den Mai tanzt wie die Lüfte,
wie die kleine Fee am Bach,
fluoreszierend ihre Düfte,
zieht sie magisch mit sich nach.

Welt, erkenne all den Zauber,
der das Land im Rausch erhellt;
rings ein Sonnenglanz, der sauber
lichtet und zum Tanz erwählt.

Kleine Pause

Louis-Émile Adan (1839-1937)
Ich habe mich dazu entschlossen, eine kleine Pause zu machen.  

Vielen herzlichen Dank an alle, die meinem Blog folgen und mitlesen, liken und kommentieren. Danke auch für alle Eure großartigen Beiträge, die ich mit viel Freude verfolge. Genießt die sonnigen Tage in vollen Zügen.

Ich werde mir auf jeden Fall Eure veröffentlichten Beiträge anschauen.

„Gottes-Bilderbuch“ ist immer für Euch geöffnet.

Wandel der Zeit

Quelle: Pinterest
Ob in Lüften, ob im Wasser,
und in allen irdenen Zonen,
überall im Weltenwandel,
sollen gute Kräfte wohnen.

Wo die Reden nicht nur rauschen,
in des Windes Luftgesang;
Offenbarung soll verstehen,
jeder Mensch in jedem Klang.

Sprache aus dem Mund des Kindes,
gab der Schöpfergeist von oben.
Welche Deutung gab uns Gott,
welcher Segen kommt von droben?

Menschen kommen, Menschen gehen;
andre Zeiten, andre Götter!
Einer nur wird ewig bleiben,
unberührt vom Zeitenwetter.

Denn Neuzeit erstürmt die alte –
losgelöst erscheint die Kette,
deren Glieder längst gerissen;
wie ein Fluss, der treibt vom Bette.

Torheit wär’s, den Sturm zu schelten,
als er Bäume spielend knickte:
grolle nicht den Weltgewalt’ gen,
die uns Tod und Kummer schickten.

Großer Frevel ist auf Erden
Unglück, das nur Einer richtet.
Sind des Herrschers Taten ‚groß‘,
wenn er Mensch und Land vernichtet?

Über abgrundtiefen Rätseln
huscht der Mensch mit leichtem Sinn.
Reicht dem Einen eure Hände,
dem, der übers Wasser ging.

Ein grauer, trüber Morgen

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832 und Friederike Brion

Ein grauer, trüber Morgen
Bedeckt mein liebes Feld,
Im Nebel tief verborgen
Liegt um mich her die Welt.

O liebliche Friederike,
Dürft ich nach dir zurück!
In einem deiner Blicke
Liegt Sonnenschein und Glück.

Der Baum, in dessen Rinde
Mein Nam bei deinem steht,
Wird bleich vom rauhen Winde,
Der jede Lust verweht.
Der Wiesen grüner Schimmer
Wird trüb wie mein Gesicht,
Sie sehen die Sonne nimmer,
Und ich Friedricken nicht.

Bald geh ich in die Reben
Und herbste Trauben ein;
Umher ist alles Leben,
Es strudelt neuer Wein.
Doch in der öden Laube,
Ach, denk ich, wär sie hier!
Ich brächt ihr diese Traube,
Und sie – was gäb sie mir?